Gastbeitrag von Falk Wagner zur Neuwiede Str. 3

Wütend machen die Zustände, die der private „Investor“ in der Neuwieder Straße 3 anrichtet. Nach dem Fassadenbrand am Hochhaus in Tenever gab es viel Medienaufmerksamkeit. Nun haben Bewohner*innen ihre Wohnungen für mich geöffnet. Die Eindrücke möchte ich mit Euch teilen, weil das System, mit dem hier Geld gemacht wird, viel mehr Menschen kennen sollten.

 

Was bekannt ist: Weil der Brand die Gasleitung beschädigt hatte, waren die Mieter*innen wochenlang ohne Warmwasser. Mieter*innen wurden vertröstet, erst als das Ordnungsamt Zwangsgeld androhte, funktionierte - fünf Tage vor Fristablauf - das Warmwasser wieder.

 

Was Mieter*innen, Quartiersmanagement und Beiratssprecher mir nun beigebracht haben: weitere Folgeschäden sind keineswegs behoben. Zerplatzte Fenster sind mit Panzertape abgeklebt, die Zimmer also dunkel und nicht zu lüften, so gesehen im 1. OG bei Frau Groth. Auch einige Wohnungstüren lassen sich nicht mehr verschließen, den Betroffenen habe der Eigentümer den Austausch für den 18. Dezember (!) angekündigt. Angeblich sollen die Türen Sonderanfertigungen sein. „Die halten uns für blöd, aber so blöd ist keiner.“, sagte mir ein Bewohner. Bis Weihnachten stehen nun unfreiwillig die Wohnungstür dieser Menschen offen.

 

Das Hochhaus mit den schön geschnittenen Wohnungen und den großzügigen Balkonen war schon vor dem Brand heruntergewirtschaftet. Das Treppenhaus dreckig und schimmelig, von Balkonen lösen sich faustgroße Putzstücke. Im 1. OG nur beunruhigend, im 10. OG eine echte Gefahr. Dabei sind die Wohnungen nicht einmal besonders günstig, immer an der Grenze dessen, was das Jobcenter noch anerkennt. „Die Wohnungen und Balkone sind schön, deshalb bleiben wir und versuchen, den Verwalter auszuhalten“, sagte mir Familie Arslan im 2. OG.

 

Dabei geht es auch anders: Das benachbarte Hochhaus Neuwieder Straße 23 gehört der städtischen GEWOBA. Es ist gepflegt, ein Concierge achtet auf den Einlass, Schäden werden repariert. Auch hier gibt es keine goldenen Wasserhähne (wer will die schon?), aber gepflegtes Wohnen zu angemessenen Preisen. Auch die GEWOBA verdient Geld, aber mit sozialer Orientierung.

 

Am liebsten wären die Bewohner*innen der Nr. 3 auch bei der GEWOBA. Aber dafür muss der Eigentümer auch verkaufen wollen und derzeit kann man mit Sozialwohnungen noch zu gut Rendite machen. Mitgenommen habe fürs erste ich eine lange Mängelliste, die die Stadtteil-Aktiven erstellt haben. Danke! 🙏 Wir werden in der SPD-Fraktion prüfen, wo welche Behörde die Mieter*innen unterstützen und den Eigentümer zur Verantwortung ziehen kann - damit die Renditeattraktivität sinkt.

 

Deutlich wurde (wieder mal), wohin Sozialwohnungen gehören: in die Hand der Stadt!